Zum Inhalt springen

Freitag

Wirtschaftsraum Deutschland

Branchen, Standorte, Kosten

wirtschaftsraum-deutschland.de

Industrie & Produktion

Galvanik: wie Metallschichten entstehen und was sie kosten

Ein dünner Metallüberzug, abgeschieden mit Gleichstrom: So arbeitet die Galvanik, so entstehen die Preise, und daran lässt sich ein passender Galvanikbetrieb erkennen.

Von Redaktion 12 Min. Lesezeit

Viele gedrehte Metallteile mit Sechskantkopf und Flansch stehen in Reihen auf dunklem Untergrund, ihre Oberflächen glänzen metallisch
Foto: Pineapple22Productions / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Galvanik ist das elektrochemische Beschichten von Metall- oder Kunststoffteilen: In einem Elektrolytbad scheidet Gleichstrom eine Metallschicht ab, die nach Angaben des Zentralverbands Oberflächentechnik (ZVO) typischerweise zwischen 1 und 50 µm dick ist. Wer galvanisieren lässt, kauft also keinen Lack, sondern einen dünnen Metallüberzug mit genau definierter Funktion: Rostschutz, Verschleißschutz, Leitfähigkeit oder Glanz.

In der Praxis steckt hinter dem Wort eine ganze Verfahrensfamilie. Zink schützt Schrauben und Stanzteile vor Rost, Hartchrom schützt Hydraulikkolben vor Abrieb, Gold sorgt an Steckkontakten für einen stabilen Übergangswiderstand. Jede dieser Schichten hat eigene Normen, eigene Kostentreiber und eigene Risiken.

Ein Hinweis vorab: Galvanikbäder enthalten Säuren, Laugen und je nach Verfahren Cyanide oder Chrom(VI)-Verbindungen. Chromtrioxid ist unter REACH als besonders besorgniserregender Stoff gelistet, und an den Bädern können explosionsfähige Gemische entstehen. Galvanisieren gehört deshalb in Anlagen mit Absaugung, Abwasserbehandlung und Gefährdungsbeurteilung, nicht in die Hobbywerkstatt.

Wie Galvanisieren funktioniert

Das Werkstück hängt als Kathode (Minuspol) im Bad, gegenüber hängt die Anode (Pluspol). Bei löslichen Anoden besteht sie aus dem Beschichtungsmetall, etwa Nickel oder Kupfer. Fließt Gleichstrom, gehen an der Anode Metallionen in Lösung, wandern durch den Elektrolyten und lagern sich als Metall auf dem Werkstück ab. So beschreibt es der ZVO in seinen Antworten zur Galvanotechnik.

Gleichrichter + − M⁺ M⁺ M⁺ M⁺ Anode (Pluspol) Werkstück = Kathode (Minuspol) Elektrolyt mit Metallsalzen
Prinzip der galvanischen Abscheidung: Metallionen wandern im Gleichstromfeld zum Werkstück und werden dort als Schicht abgeschieden. Grafik: Redaktion

Wie viel Metall sich abscheidet, folgt dem faradayschen Gesetz: Die Masse ist proportional zur geflossenen Ladung. Daraus lässt sich die Expositionszeit grob abschätzen, wie das Rechenbeispiel weiter unten zeigt. In der Realität geht ein Teil des Stroms in Nebenreaktionen, vor allem in die Bildung von Wasserstoff. Die tatsächliche Abscheidegeschwindigkeit liegt deshalb unter dem theoretischen Wert.

Anzeige

Anzeigenplatz für Unternehmen, Dienstleister und Marken.

Mediadaten

Zur Galvanik zählen im weiteren Sinn auch stromlose Verfahren. Bei der chemischen Vernickelung liefert ein Reduktionsmittel im Bad die Elektronen, nicht der Gleichrichter. Der Vorteil: Die Schicht wächst auch in Bohrungen und Innenkonturen gleichmäßig, wo im Stromfeld kaum etwas ankommt.

Der Ablauf in einem Galvanikbetrieb

Die eigentliche Beschichtung dauert oft nur Minuten. Den größeren Teil der Linie belegen Vor- und Nachbehandlung. Die DGUV Regel 109-602 „Branche Galvanik“ gliedert die Arbeit genau so: Vorbehandlung, Oberflächenbehandlung, Nachbehandlung, dazu Lagerung, Transport und Abwasserbehandlung.

  1. Wareneingang prüfen: Werkstoff, Zeichnung, Stückzahl und Zustand der Teile abgleichen, Öl, Zunder oder Rost dokumentieren.
  2. Aufhängen oder einfüllen: Große und empfindliche Teile kommen ans Gestell, Kleinteile wie Schrauben als Schüttgut in die Trommel.
  3. Entfetten: Öle und Ziehfette chemisch oder elektrolytisch lösen.
  4. Beizen und Aktivieren: Oxide und Zunder in Säure entfernen, die Oberfläche für die Haftung vorbereiten.
  5. Spülen: Nach jedem Bad in mehreren Spülstufen, damit keine Badreste ins nächste Bad gelangen.
  6. Beschichten: Abscheidung im Elektrolyten bei festgelegter Stromdichte, Temperatur und Zeit.
  7. Nachbehandeln: Bei Zink zum Beispiel passivieren und versiegeln, bei hochfesten Stählen eine Wärmebehandlung gegen Wasserstoffversprödung.
  8. Trocknen, prüfen, verpacken: Schichtdicke messen, Sichtprüfung, bei Bedarf Haftungs- oder Korrosionsprüfung.

Für Einkäufer ist die Unterscheidung zwischen Gestell- und Trommelware wichtig. Am Gestell wird jedes Teil einzeln kontaktiert, das kostet Handarbeit, liefert aber gleichmäßige Schichten auf Sichtflächen. In der Trommel laufen Tausende Schrauben gleichzeitig durch das Bad. Das ist günstig je Stück, hinterlässt aber Kontaktspuren und streut stärker in der Schichtdicke.

Welche Schichten es gibt und wofür sie taugen

Der ZVO nennt Zink den günstigsten und häufigsten Rostschutz für Stahlteile. Chrom ist hart und kratzfest, Nickel dient oft als glänzende Zwischenschicht, Kupfer als gut leitende Haftschicht für weitere Metalle. Gold und Silber kommen bei Schmuck und an Kontakten in der Elektronik zum Einsatz, wo die Oberfläche nicht oxidieren darf.

SchichtHauptzweckTypische TeileWas zu beachten ist
Zink, passiviertKorrosionsschutzSchrauben, Stanz- und Biegeteiledünn, für Innenräume und geschützte Bereiche
Zink-LegierungenKorrosionsschutz bei höherer BelastungFahrzeug- und MaschinenteileCr(VI)-freie Nachbehandlung nach DIN EN ISO 19598
NickelGlanz, Zwischenschicht, ChemikalienbeständigkeitArmaturen, GehäuseUnterlage für Glanzchrom
Chrom, dekorativGlanz, KratzfestigkeitArmaturen, Zierteileoft nur ca. 0,3 µm auf Nickel
HartchromVerschleißschutzKolbenstangen, Walzendeutlich dickere Schichten, Chrom(VI)-Bäder
KupferLeitfähigkeit, HaftschichtLeiterplatten, Mehrschichtsystememeist nicht Endschicht
Chemisch Nickelgleichmäßige Schicht ohne StromBohrungen, Innenkonturenstromlos abgeschieden
Gold, SilberKontaktsicherheit, OptikSteckverbinder, SchmuckMetallpreis treibt die Kosten

Kunststoff galvanisieren

Kunststoff leitet keinen Strom und braucht deshalb einen Umweg. Der ZVO beschreibt den Ablauf so: Das Teil, meist aus ABS, wird in einer Beize aufgeraut, ein Aktivator und eine hauchdünne, chemisch abgeschiedene Nickelschicht machen die Oberfläche leitfähig. Erst danach folgt die klassische Beschichtung im Strombad, etwa mit Glanzchrom. So entstehen verchromte Kunststoffblenden an Autos oder Duschköpfe.

Galvanisieren oder Eloxieren?

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Beim Galvanisieren kommt ein fremdes Metall auf das Teil. Beim Eloxieren (Anodisieren) von Aluminium wird nichts aufgetragen: Die Oberfläche selbst wird in eine schützende Oxidschicht umgewandelt. Wer Aluminiumteile anfragt, sollte also klären, ob eine Eloxalschicht oder tatsächlich ein Metallüberzug gemeint ist.

Galvanisch verzinkt oder feuerverzinkt?

Das ist eine der häufigsten Fragen rund um die Galvanik, und die Antwort hängt an der Schichtdicke. Der Industrieverband Feuerverzinken nennt für galvanisches Verzinken meist rund 5 µm, für das Stückverzinken im Zinkbad 50 bis 150 µm. Für feuerverzinkte Bauteile gibt der Verband eine Schutzdauer von 50 Jahren und mehr an. Diese Zahl stammt von der Interessenvertretung eines Verfahrens, die Größenordnung des Unterschieds ist trotzdem eindeutig.

MerkmalGalvanisch verzinktFeuerverzinkt (Stückverzinken)
Typische Schichtdickemeist ca. 5 µm50–150 µm
NormDIN EN ISO 2081, DIN EN ISO 19598DIN EN ISO 1461
Maßhaltigkeitgut, Gewinde bleiben meist gängigGewinde und Passungen brauchen Zugaben
Optikglatt, Farbe je nach Passivierungmatt bis blumig, gröber
Typischer EinsatzKleinteile, Schrauben, InnenbereichStahlbau, Geländer, Außenbereich

Für Schrauben, Federn und feinmechanische Teile ist die galvanische Verzinkung meist die richtige Wahl, weil Maße und Gewinde erhalten bleiben. Für ein Treppengeländer im Freien reichen wenige Mikrometer Zink dagegen nicht. Dort ist Feuerverzinken oder ein Duplex-System mit zusätzlicher Beschichtung angebracht.

Normen, die in jede Anfrage gehören

Galvanische Schichten sind weitgehend genormt. Eine Normangabe auf der Zeichnung spart Rückfragen und macht Angebote vergleichbar. Die wichtigsten Dokumente für Stahlteile, Stand Oktober 2026 laut Normenrecherche des DIN:

  • DIN EN ISO 2081, Ausgabe 2026-02: galvanische Zinküberzüge auf Eisenwerkstoffen, die mit Chrom(VI)-haltigen Lösungen nachbehandelt sind.
  • DIN EN ISO 19598, Ausgabe 2017-04: Zink- und Zinklegierungsüberzüge auf Eisenwerkstoffen mit Cr(VI)-freier Nachbehandlung. Für die meisten Neuteile ist das heute die passende Bezugsnorm.
  • DIN EN ISO 4042, Ausgabe 2026-09: galvanisch aufgebrachte Überzugsysteme auf Verbindungselementen, die neue Ausgabe enthält die Änderung 1 von 2026.

Die Neuausgabe der DIN EN ISO 2081 bezieht sich ausdrücklich auf Chrom(VI)-haltige Nachbehandlungen. Wer heute neu zeichnet, schreibt sinnvollerweise eine Cr(VI)-freie Passivierung vor. Viele Abnehmer, gerade im Fahrzeugbau, verlangen das ohnehin über eigene Werknormen.

Wasserstoffversprödung: das unterschätzte Risiko

Beim Beizen und Beschichten kann atomarer Wasserstoff in den Stahl eindringen. Bei hochfesten Teilen wie Schrauben höherer Festigkeitsklassen oder Federn führt das im ungünstigen Fall zu verzögerten Brüchen, die teils erst nach der Montage auftreten. Gegenmaßnahmen sind eine Wärmebehandlung (Tempern) nach dem Beschichten oder die Wahl eines anderen Verfahrens. Welche Teile betroffen sind und wie getempert wird, regeln DIN EN ISO 4042 und die einschlägigen Werkstoffnormen. Bei sicherheitsrelevanten Verbindungen gehört diese Frage in die Konstruktion, nicht erst in die Galvanik.

Was kostet Galvanisieren?

Einen allgemeinen Quadratmeterpreis gibt es nicht. Lohngalvaniken rechnen Trommelware meist nach Gewicht, Gestellware nach Stück oder Gestellbelegung, oft mit Mindestauftragswert je Charge. Den Preis treiben vor allem diese Faktoren:

  • Vorbehandlung: Stark verölte, verzunderte oder angerostete Teile brauchen mehr Bäder und mehr Zeit.
  • Gestell oder Trommel: Gestellware kostet Handarbeit beim Aufstecken und Abnehmen.
  • Schichtsystem: Ein Mehrschichtaufbau aus Kupfer, Nickel und Chrom durchläuft mehr Bäder als eine einfache Verzinkung.
  • Edelmetall: Bei Gold und Silber wird das abgeschiedene Metall meist zum Tageskurs zusätzlich berechnet.
  • Prüfaufwand: Schichtdickenprotokolle, Salzsprühnebeltests oder Erstmusterprüfberichte kosten extra.
  • Abdecken: Gewinde oder Passflächen, die frei bleiben sollen, werden von Hand maskiert.
  • Losgröße: Rüstzeiten verteilen sich bei 50 Teilen anders als bei 50.000.

Rechenbeispiel 1: Wie viel Metall steckt in der Schicht?

Die Rechnung zeigt, warum das Metall bei Zink kaum ins Gewicht fällt. Zink hat laut PubChem eine Dichte von 7,134 g/cm³. Eine 8 µm dicke Schicht auf 1 m² Fläche entspricht einem Volumen von 10.000 cm² × 0,0008 cm = 8 cm³. Das sind 8 cm³ × 7,134 g/cm³ = rund 57 g Zink je Quadratmeter. Der Preis einer Verzinkung entsteht also fast vollständig durch Arbeit, Bäder, Energie und Abwasserbehandlung.

Bei Gold sieht es anders aus. Angenommen, 10.000 Steckkontakte erhalten auf je 0,2 cm² Kontaktfläche eine 1 µm dicke Goldschicht. Fläche: 10.000 × 0,2 cm² = 2.000 cm². Volumen: 2.000 cm² × 0,0001 cm = 0,2 cm³. Mit der Dichte von 19,282 g/cm³ ergibt das rund 3,9 g Gold. Mal Tageskurs gerechnet, wird schnell klar, warum Hersteller Goldschichten nur dort vorschreiben, wo sie gebraucht werden, und warum selektive Verfahren wie Teilvergoldung verbreitet sind.

Rechenbeispiel 2: Wie lange dauert eine Zinkschicht?

Mit dem faradayschen Gesetz lässt sich die Mindestzeit im Bad abschätzen. Annahmen: Stromdichte 2 A/dm² (0,02 A/cm²), 100 % Stromausbeute, Zink mit der Ladungszahl 2 und einer molaren Masse von 65,4 g/mol, Faraday-Konstante 96.485 C/mol laut NIST.

  • Abgeschiedene Masse je cm² und Sekunde: 0,02 × 65,4 / (2 × 96.485) = 0,0000068 g.
  • Geteilt durch die Dichte 7,134 g/cm³: 0,00000095 cm pro Sekunde, also rund 0,57 µm pro Minute.
  • Für 8 µm: 8 / 0,57 = rund 14 Minuten.

Weil ein Teil des Stroms Wasserstoff erzeugt und die Stromdichte an Kanten höher ist als in Vertiefungen, liegen reale Zeiten darüber und die Schichtdicke streut über das Teil. Genau deshalb steht in einer guten Spezifikation, an welchen Messpunkten die Mindestschichtdicke gilt.

Umwelt und Arbeitsschutz: was ein Betrieb leisten muss

Galvanikbetriebe gehören zu den streng regulierten Branchen. Für Einkäufer lohnt ein Blick darauf, weil Auflagen Kosten verursachen und weil ein Lieferant, der Umweltrecht verletzt, schnell als Lieferant ausfällt.

Das Abwasser regelt Anhang 40 der Abwasserverordnung („Metallbearbeitung, Metallverarbeitung“), in dem die Galvanik als erster Herkunftsbereich genannt ist. Er schreibt unter anderem vor, Badstandzeiten durch Aufbereitung zu verlängern, Spülwasser mehrfach zu nutzen, etwa über Kaskadenspülung, und Badinhaltsstoffe zurückzugewinnen. Vor der Vermischung mit anderem Abwasser gelten für die Galvanik feste Grenzwerte:

ParameterGrenzwert Galvanik nach Anhang 40 AbwV
Chrom VI0,1 mg/l
Chrom, gesamt0,5 mg/l
Nickel0,5 mg/l
Kupfer0,5 mg/l
Cyanid, leicht freisetzbar0,2 mg/l
Cadmium0,2 mg/l
Zink2 mg/l
Zinn2 mg/l

Ab einer bestimmten Größe braucht die Anlage eine Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzrecht. Nach Nummer 3.10.1 im Anhang 1 der 4. BImSchV gilt das für Anlagen zur Oberflächenbehandlung von Metall- oder Kunststoffoberflächen durch elektrolytische oder chemische Verfahren mit einem Wirkbadvolumen von 30 Kubikmetern oder mehr.

Im Arbeitsschutz verlangt die DGUV eine Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Gefahrstoffverordnung samt Explosionsschutzdokument, Betriebsanweisungen, Unterweisung und Schutzausrüstung auch für Nebenarbeiten wie Umfüllen oder Probennahme. Für den Bau neuer Galvanik- und Anodisieranlagen gilt die Sicherheitsnorm DIN EN 17059.

Beim Chrom(VI) ist die Lage im Fluss. Chromtrioxid darf seit dem 21. September 2017 nur noch mit Zulassung verwendet werden. Das Gericht der Europäischen Union hob im April 2023 eine wichtige Zulassungsentscheidung der EU-Kommission auf. Inzwischen will die Kommission Chrom(VI)-Stoffe aus dem Zulassungs- in ein Beschränkungsverfahren überführen und hat die ECHA mit einem Vorschlag dafür beauftragt. Bis zum Abschluss läuft das Zulassungsverfahren laut ZVO (Seite zuletzt geändert im Juni 2026) unverändert weiter. Abnehmer von Hartchrom und dekorativem Chrom sollten ihre Lieferanten deshalb nach deren Zulassungsstatus und Plänen für Chrom(III)-Verfahren fragen.

Die Branche in Zahlen

Die Galvano- und Oberflächentechnik ist mittelständisch geprägt. Der ZVO nennt für 2018 im Wirtschaftszweig „Oberflächenveredelung und Wärmebehandlung“ 973 Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten, rund 62.000 Beschäftigte und einen Umsatz von rund 8,6 Milliarden Euro. Kleinere Handwerksbetriebe fehlen in dieser Statistik.

Galvaniseure sind nach Anlage B Abschnitt 1 der Handwerksordnung ein zulassungsfreies Handwerk. Ein Meisterbrief ist zum Gründen also keine Pflicht. Ausgebildet wird der Nachwuchs im Beruf Oberflächenbeschichter, laut BIBB in 36 Monaten nach einer Ausbildungsverordnung von 2005, im Handwerk ebenso wie in Industrie und Handel. Ein Meistertitel oder ein Techniker im Betrieb ist für Kunden deshalb ein brauchbares Qualitätsindiz, aber keine Voraussetzung.

So findet man den passenden Galvanikbetrieb

Branchenportale und Firmenverzeichnisse liefern schnell Namen, sagen aber wenig über die Eignung. Hilfreich ist es, die Suche umgekehrt anzugehen: erst die Anforderung festlegen, dann gezielt Betriebe mit genau diesem Verfahren ansprechen. Der ZVO führt zusätzlich einen Einkaufsführer für die Branche.

Vor der Anfrage sollten diese Angaben feststehen:

  1. Grundwerkstoff nennen: Stahlsorte mit Festigkeit, Aluminiumlegierung, Messing, Kunststoffart.
  2. Schicht und Norm angeben: zum Beispiel Zink-Nickel nach DIN EN ISO 19598 mit Mindestschichtdicke und Passivierung.
  3. Funktionsflächen und Messpunkte markieren: Wo gilt die Mindestschichtdicke, welche Flächen bleiben frei?
  4. Korrosionsanforderung beziffern: geforderte Stunden im Salzsprühnebeltest bis Weiß- oder Rotrost, falls vereinbart.
  5. Wasserstoffversprödung ansprechen: Bei hochfesten Teilen Tempern ausdrücklich fordern.
  6. Mengen und Rhythmus nennen: Losgröße, Jahresbedarf, Abrufe.
  7. Dokumentation festlegen: Schichtdickenprotokoll, Erstmuster, Materialnachweise.

Im Gespräch mit dem Betrieb zeigen diese Punkte, wie belastbar das Angebot ist:

  • Hat der Betrieb das geforderte Verfahren selbst im Haus oder wird weitervergeben?
  • Welche Prüfmittel stehen bereit, etwa Röntgenfluoreszenz für die Schichtdicke oder eine Salzsprühnebelkammer?
  • Gibt es ein zertifiziertes Qualitätsmanagement, bei Automobilteilen nach den Vorgaben der Branche?
  • Wie ist der Status bei Chrom(VI): Zulassung, Umstellung, Alternativen?
  • Wie lange sind Durchlaufzeiten, und gibt es Express-Chargen?
  • Wer haftet bei Schäden durch Wasserstoffversprödung, und wie ist das im Vertrag geregelt?

Ein Musterauftrag mit 20 bis 50 Teilen kostet etwas Zeit, zeigt aber schnell, ob Schichtdicke, Optik und Lieferzeit passen. Bei Serienteilen ist das der sicherere Weg als ein Auftrag allein nach dem niedrigsten Preis.

Typische Fehler bei Galvanik-Aufträgen

  • Nur „verzinkt“ auf der Zeichnung: Ohne Schichtdicke, Passivierung und Norm liefert jeder Betrieb etwas anderes.
  • Hochfeste Schrauben ohne Hinweis auf Tempern: Das Risiko verzögerter Brüche bleibt unbemerkt, bis ein Teil versagt.
  • Gewindetoleranzen vergessen: Auch wenige Mikrometer verändern Passungen, bei Innengewinden kommt im Strombad oft weniger an als außen.
  • Schmutzige Anlieferung: Schweißschlacke, Silikon oder Farbreste lassen sich in der normalen Vorbehandlung nicht entfernen und führen zu Haftungsfehlern.
  • Feuerverzinken und galvanisches Verzinken verwechselt: Für Außenbauteile reicht die dünne galvanische Schicht selten.

Häufige Fragen

Was heißt Galvanik?

Galvanik, auch Galvanotechnik, bezeichnet das elektrochemische Abscheiden von Metallschichten aus einem Elektrolytbad mit Gleichstrom. Der Begriff geht auf den italienischen Arzt Luigi Galvani zurück. Mit „Galvanik“ ist im Alltag oft auch der Betrieb gemeint, der beschichtet.

Welche Nachteile hat Galvanisieren?

Die Schichten sind dünn, bei Zink meist nur wenige Mikrometer, und schützen deshalb im Freien kürzer als Feuerverzinkung. Die Schichtdicke streut zwischen Kanten und Vertiefungen. Hochfeste Stähle können verspröden. Die Bäder enthalten Gefahrstoffe, deren Abwasser aufwendig behandelt werden muss.

Was ist besser, galvanisiert oder feuerverzinkt?

Das hängt vom Einsatz ab. Für maßhaltige Kleinteile und Schrauben im Innenbereich ist galvanisch verzinkt sinnvoll, für Stahlbau und Außenbauteile Feuerverzinken mit 50 bis 150 µm Schichtdicke.

Kann man Kunststoff galvanisieren?

Ja. Nach Beizen, Aktivieren und einer chemisch abgeschiedenen Nickelschicht ist die Oberfläche leitfähig und kann im Strombad verkupfert, vernickelt oder verchromt werden. Am häufigsten wird ABS beschichtet.

Kann man selbst galvanisieren?

Kleine Sets für Modellbau und Schmuck gibt es im Handel. Für Funktionsteile ist davon abzuraten: Ohne Vorbehandlung, Schichtdickenmessung und Tempern ist die Qualität nicht belegbar, und verbrauchte Bäder und Spülwasser sind Sonderabfall, der nicht ins Abwasser darf.

Was macht ein Galvaniseur?

Er oder sie bereitet Teile vor, führt Bäder nach Analysewerten, steuert Strom, Temperatur und Zeit und prüft die fertigen Schichten. Der Ausbildungsberuf heißt heute Oberflächenbeschichter und dauert drei Jahre.

Fazit

Galvanik liefert dünne, genau einstellbare Metallschichten, die Maße und Gewinde erhalten und je nach Metall vor Rost, Verschleiß oder Kontaktproblemen schützen. Für Rostschutz an Kleinteilen ist eine Zink- oder Zink-Nickel-Schicht nach DIN EN ISO 19598 mit Cr(VI)-freier Passivierung heute der Normalfall, für Außenstahlbau eher die Feuerverzinkung. Die Kosten entstehen vor allem durch Vorbehandlung, Handling und Prüfung, kaum durch das Zink selbst. Wer eine Anfrage mit Werkstoff, Norm, Schichtdicke, Messpunkten und Hinweis auf Wasserstoffversprödung stellt, bekommt vergleichbare Angebote und erkennt schnell, welcher Galvanikbetrieb zum Auftrag passt.

Quellen

Weitere Beiträge aus Industrie & Produktion

Zum Ressort: Industrie & Produktion

Eloxieren lassen: Was kostet es je Teil und je m²?

Ein Kleinteil kostet in der Natur-Eloxierung rund 3 Euro, Profile werden nach Quadratmetern abgerechnet. Was den Preis treibt, welche Farben es gibt und welche Schichtdicke wofür reicht.

9 Min. Lesezeit

Industriereinigung: Welches Verfahren für welche Anlage?

Hochdruckwasser, Trockeneis, Dampf oder Saugtechnik: Welches Verfahren zu welcher Verschmutzung passt, was allein das Trockeneis je Strahlstunde kostet und woran Betriebe einen geeigneten Dienstleister erkennen.

8 Min. Lesezeit

Lohnfertigung: So läuft die Auftragsfertigung ab

Ein externer Betrieb fertigt nach Zeichnung, der Auftraggeber spart Maschinen und Personal. Wann sich das rechnet, welcher Vertrag gilt und warum die Wareneingangsprüfung Pflicht ist.

8 Min. Lesezeit