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Industriereinigung: Welches Verfahren für welche Anlage?

Hochdruckwasser, Trockeneis, Dampf oder Saugtechnik: Welches Verfahren zu welcher Verschmutzung passt, was allein das Trockeneis je Strahlstunde kostet und woran Betriebe einen geeigneten Dienstleister erkennen.

Von Redaktion 8 Min. Lesezeit

Produktionshalle mit mehreren großen Edelstahlbehältern mit kegelförmigen Deckeln, Stahlsäulen und glänzendem Steinboden
Foto: renaudbuguet / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Industriereinigung ist die Reinigung von Produktionsanlagen, Maschinen, Behältern, Lüftungs- und Förderanlagen sowie Hallen, meist mit Hochdruckwasser, Trockeneis, Dampf, Schaum oder Saugtechnik. Beim Trockeneisstrahlen verbraucht ein gängiges Gerät laut Herstellerdatenblatt 30 bis 120 Kilogramm Eis pro Stunde, das Strahlmittel allein kostet damit rund 50 bis 320 Euro netto je Strahlstunde.

Welches Verfahren passt, hängt weniger vom Preis ab als von drei Fragen: Was haftet, worauf haftet es, und darf Wasser an die Anlage? Ein öliger Hallenboden, eine verklebte Spritzgussform und ein Silo mit Produktresten brauchen jeweils etwas anderes.

Hinweis zur Sicherheit: Industrielle Reinigung zählt zu den gefährlicheren Tätigkeiten in einem Betrieb. Ein Wasserstrahl unter hohem Druck kann Flüssigkeit unter die Haut schießen, Trockeneis setzt beim Strahlen Kohlendioxid frei, und in Behältern oder Silos droht Sauerstoffmangel. Solche Arbeiten gehören in die Hände eingewiesener Fachkräfte mit Gefährdungsbeurteilung, nicht in die eines Aushilfstrupps.

Was zur Industriereinigung gehört

Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert. In der Praxis fallen darunter die Grund- und Unterhaltsreinigung von Werkhallen, Lagern und Verkehrsflächen, die Reinigung von Maschinen und Fertigungsstraßen, die Behälter-, Tank- und Siloreinigung, die Reinigung von Lüftungskanälen, Abscheidern und Rohrleitungen und die Entfernung von Öl, Fett, Spänen, Farbresten oder Produktablagerungen.

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Die meisten Anbieter kommen aus dem Gebäudereiniger-Handwerk. Das ist nach Anlage B Abschnitt 1 Nr. 33 der Handwerksordnung ein zulassungsfreies Handwerk, ein Meisterbrief ist also keine Voraussetzung für die Gründung. Für Auftraggeber heißt das: Die Gewerbeanmeldung sagt nichts über Können und Ausstattung aus, die Prüfung liegt beim Betrieb selbst.

Die Verfahren im Vergleich

VerfahrenTypischer EinsatzWas zurückbleibtWorauf achten
Hochdruck-/HöchstdruckwasserHallenböden, Behälter, Wärmetauscher, RohrbündelAbwasser mit gelöstem SchmutzRückstoß, Verletzung durch den Strahl, Lärm, Abwasserentsorgung
TrockeneisstrahlenFormen, Werkzeuge, Druckmaschinen, Schaltschränke, BacköfenNur der abgelöste SchmutzCO2 in Räumen, Lärm um 99 dB(A), großer Druckluftbedarf
Heißwasser und DampfFett, Öl, LebensmittelresteKondensat, wenig AbwasserVerbrühung, Temperatur über 50 °C fällt unter die DGUV-Regel
SchaumreinigungGroße Flächen in der LebensmittelproduktionSpülwasser mit ReinigungsmittelÄtzende Reiniger, Einwirkzeit, Nachspülen
Saug- und SpültechnikAbscheider, Gruben, Kanäle, SchüttgutresteAbgesaugtes Material zur EntsorgungGefährliche Abfälle, Abfallnachweise

Hochdruckgeräte unterliegen dem Kapitel 2.36 der DGUV Regel 100-500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, sobald sie ab 25 bar arbeiten. Darunter gilt es ebenfalls, wenn mit Gefahrstoffen oder Flüssigkeiten über 50 °C gereinigt wird. Bis 250 bar genügt nach dieser Regel meist ein Nässeschutz, darüber verlangt sie besondere Körperschutzmaßnahmen nach Gefährdungsbeurteilung.

Trockeneis arbeitet anders. Die Pellets aus festem Kohlendioxid haben mindestens minus 78,5 °C und gehen beim Aufprall direkt in Gas über, so beschreibt es das Bundesinstitut für Risikobewertung. Der Schmutz versprödet und platzt ab, Strahlmittel bleibt nicht zurück. Deshalb lassen sich Formen oft im eingebauten Zustand reinigen, und elektrische Anlagen kommen nicht mit Wasser in Berührung. Kärcher nennt für sein Gerät IB 15/120 als Einsatzgebiete etwa Gussformen, Druckmaschinen, Generatoren, Schaltschränke und Backöfen.

Was Trockeneisreinigung kostet: ein Rechenbeispiel

Feste Marktpreise für Industriereinigung gibt es nicht, abgerechnet wird nach Stunden, Fläche oder Pauschale je Einsatz. Ein Kostenblock lässt sich aber aus Primärdaten nachrechnen: das Trockeneis selbst.

Das Datenblatt des Kärcher IB 15/120 nennt einen Trockeneisverbrauch von 30 bis 120 kg/h bei 10 bis 16 bar Luftdruck und einen Kompressor mit bis zu 12 m³ Luft pro Minute. Der Trockeneis-Shop des CO2-Herstellers CARBO verlangt für 3-mm-Pellets (Stand 10/2026) 3,20 €/kg im 5-kg-Gebinde und 1,96 €/kg im 30-kg-Gebinde, jeweils inklusive Umsatzsteuer und Transportbox. Netto sind das rund 2,69 und 1,65 €/kg. Mengen ab 100 kg bietet der Hersteller auf Anfrage an, Großabnehmer zahlen also eigene Preise.

SzenarioVerbrauchStrahlzeitEismengeEiskosten netto
Leichte Stufe, günstiges Gebinde30 kg/h1 h30 kg30 × 1,65 € = 49,50 €
Höchste Stufe, Kleingebinde120 kg/h1 h120 kg120 × 2,69 € = 322,80 €
Arbeitstag, mittlere Stufe60 kg/h6 h360 kg360 × 1,65 € = 594,00 €

Dazu kommen Kompressor, Personal, Anfahrt und Schutzausrüstung. Zum Personal liefert der Tarif eine Untergrenze: Der Branchenmindestlohn im Gebäudereiniger-Handwerk liegt seit 1. Januar 2026 bei 15,00 Euro (Lohngruppe 1) und 18,40 Euro für Fachkräfte (Lohngruppe 6), meldet der Bundesinnungsverband. Das ist reiner Bruttolohn je Stunde, Lohnnebenkosten, Zuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit, Gemeinkosten und Gewinn stecken im Stundensatz des Anbieters zusätzlich.

Die Rechnung zeigt, warum Trockeneis teurer ist als Hochdruckwasser: Das Strahlmittel wird verbraucht, Wasser kostet kaum etwas. Dafür entfallen beim Trockeneis meist Demontage, Trocknung und Abwasserbehandlung. Wo eine Anlage für die Nassreinigung zwei Schichten stillsteht, kann der höhere Stundensatz die günstigere Lösung sein.

Pflichten, die beim Auftraggeber bleiben

Wer eine Fremdfirma ins Werk holt, gibt die Verantwortung nicht vollständig ab. Nach § 8 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber, deren Beschäftigte am selben Arbeitsplatz tätig werden, sich gegenseitig über Gefahren unterrichten und Schutzmaßnahmen abstimmen. Der Betrieb muss sich außerdem vergewissern, dass die fremden Beschäftigten angemessene Anweisungen erhalten haben.

Bei Gefahrstoffen geht § 15 Gefahrstoffverordnung weiter. Der Auftraggeber darf nur Fremdfirmen heranziehen, die die nötigen Fachkenntnisse und Erfahrungen haben, und muss sie über Gefahrenquellen informieren. Bei erhöhter gegenseitiger Gefährdung ist ein Koordinator zu bestellen, die Abstimmung ist zu dokumentieren.

Behälter, Silos und enge Räume regelt die DGUV Regel 113-004. Die festgelegten Maßnahmen werden dort in einem Erlaubnisschein oder einer Betriebsanweisung festgehalten, der ausgefüllte Erlaubnisschein gilt als Gefährdungsbeurteilung für genau diese Arbeit. Freimessen, Zugangsverfahren und Rettungsmaßnahmen sind Teil davon. Ein Anbieter, der diesen Schein nicht kennt, ist für Tankreinigung ungeeignet.

Beim Trockeneis kommt der Raum hinzu. Für Kohlendioxid gilt nach TRGS 900 ein Arbeitsplatzgrenzwert von 5.000 ml/m³, das sind 0,5 Prozent. Ab etwa 5 Prozent wirkt CO2 nach Angaben des BfR narkotisch, oberhalb von etwa 8 bis 10 Prozent droht Bewusstlosigkeit. Kärcher schreibt für sein Gerät gute Belüftung oder einen CO2-Gaswarnmelder vor, dazu Gehörschutz: Der Schalldruckpegel liegt bei 99 dB(A), der obere Auslösewert der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung bei 85 dB(A).

Abwasser und Abfall klären, bevor gereinigt wird

Was beim Reinigen abfällt, ist Abfall, und irgendwer ist sein Erzeuger. Nach § 3 Abs. 8 Kreislaufwirtschaftsgesetz ist das jede Person, durch deren Tätigkeit Abfälle anfallen. Ob das im Einzelfall der Betrieb oder der Dienstleister ist, sollte im Vertrag stehen, samt Entsorgungsweg und Nachweisen. Ölschlämme, Lackreste und kontaminierte Strahlrückstände gehören nicht in den Hausmüllcontainer.

Für Reinigungswasser gilt: Wer Abwasser in die Kanalisation einleitet, für das die Abwasserverordnung Anforderungen am Ort des Anfalls stellt, braucht nach § 58 Wasserhaushaltsgesetz eine Genehmigung. Ölhaltiges Wasser aus der Hochdruckreinigung einfach in den Hallengully laufen zu lassen, ist deshalb ohne Abstimmung mit Behörde und Kanalnetzbetreiber keine Option. Die Einzelheiten stehen in der kommunalen Entwässerungssatzung.

Checkliste: den passenden Dienstleister auswählen

  1. Aufgabe genau beschreiben: Anlage, Werkstoff, Art der Verschmutzung, Zugänglichkeit, mögliche Stillstandzeit, Strom- und Druckluftanschlüsse vor Ort.
  2. Verfahren begründen lassen: Warum Trockeneis statt Wasser oder umgekehrt, und was passiert mit dem abgelösten Schmutz?
  3. Prüfnachweise der Geräte verlangen. Hochdruckgeräte müssen nach DGUV Regel 100-500 mindestens alle 12 Monate von einer sachkundigen Person geprüft werden, der Nachweis gehört an den Einsatzort.
  4. Personal klären: Mit Flüssigkeitsstrahlern dürfen nur Beschäftigte ab 18 Jahren arbeiten, die mit Gerät und Verfahren vertraut sind (Ausnahme: Auszubildende ab 16 unter Aufsicht).
  5. Bei Behältern und Silos nach Erlaubnisscheinverfahren, Freimessung und Rettungskonzept fragen.
  6. In Chemie, Raffinerie oder Kraftwerk nach einer SCC-Zertifizierung fragen. Das Verfahren prüft das Arbeitsschutz-Managementsystem von Kontraktoren und wird dort häufig verlangt.
  7. Entsorgung und Abwasser schriftlich regeln: wer entsorgt, auf welchem Weg, mit welchen Nachweisen.
  8. Angebote vergleichbar machen: Stundensatz, Materialkosten (beim Trockeneis je Kilogramm), Anfahrt, Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit getrennt ausweisen lassen.
  9. Probefläche vereinbaren, bevor eine ganze Linie gereinigt wird.

Häufige Fragen

Was kostet eine Reinigungsfirma pro Stunde?

Einheitliche Preise gibt es nicht. Die Untergrenze für den Lohn sind 15,00 Euro (Lohngruppe 1) und 18,40 Euro (Lohngruppe 6) brutto je Stunde, Stand 2026. Der Stundensatz liegt deutlich darüber, weil Lohnnebenkosten, Geräte, Material und Gewinn hinzukommen. Bei Trockeneis erhöhen allein die Pellets die Stunde je nach Stufe um rund 50 bis 320 Euro netto.

Was sind die Nachteile der Trockeneisreinigung?

Das Strahlmittel ist teuer und lässt sich nicht lagern, weil es ständig sublimiert. Das Verfahren ist laut, braucht einen großen Kompressor und in geschlossenen Räumen Lüftung oder CO2-Überwachung.

Kann man Trockeneisreinigung selbst machen?

Geräte lassen sich mieten, Pellets kaufen. Nötig sind aber ein Kompressor mit trockener, ölfreier Luft von bis zu 12 m³/min, Kältehandschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz und eine Unterweisung. Für einzelne Maschinen in der eigenen Werkstatt kann das passen, für Anlagen in Produktionshallen spricht der Arbeitsschutz meist für eine Fachfirma.

Kann jeder eine Reinigungsfirma eröffnen?

Ja, das Gebäudereiniger-Handwerk ist zulassungsfrei, ein Meistertitel ist nicht vorgeschrieben. Der Betrieb wird nach § 19 Handwerksordnung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke bei der Handwerkskammer eingetragen und muss die allgemeinverbindlichen Branchenmindestlöhne zahlen.

Fazit

Für Industriereinigung gibt es kein Standardverfahren. Hochdruckwasser ist bei Böden und Behältern günstig, Trockeneis lohnt sich bei Formen, Elektrik und überall dort, wo Stillstand und Trocknung teurer sind als das Eis. Vor der Vergabe sollten Betriebe die Aufgabe genau beschreiben, Prüfnachweise und Entsorgungswege schriftlich verlangen und Materialkosten getrennt ausweisen lassen. Eine Probefläche zeigt schneller als jedes Angebot, ob Verfahren und Firma passen.

Quellen

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